Eine Kilowattstunde Strom hinein, drei Kilowattstunden Wärme heraus: Das wirkt zunächst wie ein Rechenfehler. Eine Wärmepumpe stellt diese Wärme aber nicht vollständig aus Strom her. Ein Teil kommt aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Wasser. Der Strom treibt den Prozess an, der diese Wärme auf ein nutzbares Temperaturniveau bringt.
Um das einzuordnen, hilft zunächst der Unterschied zwischen Leistung und Energie. Die folgende Rechnung handelt von Energiemengen über einen Zeitraum, nicht von der Leistung zu einem einzelnen Zeitpunkt.

Wärme wird verschoben
Im Gerät zirkuliert ein Kältemittel. Es nimmt Wärme auf und verdampft. Ein elektrisch angetriebener Verdichter erhöht den Druck und damit die Temperatur. Auf der wärmeren Seite gibt das Kältemittel Wärme an das Heizsystem ab und wird wieder flüssig. Danach sinkt der Druck, und der Kreislauf beginnt erneut.
Das Prinzip ist mit dem eines Kühlschranks verwandt. Dort interessiert uns die gekühlte Innenseite; die abgegebene Wärme gelangt in die Küche. Bei der Wärmepumpe soll die abgegebene Wärme Räume oder Wasser erwärmen. Bosch beschreibt den Kreislauf einer Luft-Wasser-Wärmepumpe in seiner Herstellerdarstellung. Die Beschreibung erklärt die Technik, liefert aber noch keine unabhängige Bewertung eines konkreten Angebots.
Außenluft muss sich dafür nicht warm anfühlen. Wärme lässt sich auch bei niedrigen Temperaturen gewinnen. Wie viel Strom dafür nötig ist, hängt unter anderem vom Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizsystem ab. Mit „funktioniert im Winter“ ist die Frage nach der Effizienz deshalb noch nicht beantwortet.
Eine Beispielbilanz mit klarer Grenze
Angenommen, eine Anlage liefert in einem Jahr 9.000 kWh Wärme und benötigt innerhalb derselben betrachteten Systemgrenze 3.000 kWh Strom. Dann beträgt die Jahresarbeitszahl 3. Das ist eine Beispielrechnung, keine zugesagte Leistung für ein bestimmtes Haus. Vereinfacht stammen die verbleibenden 6.000 kWh Wärme aus der Umgebung.
Wichtig ist, welche Verbräuche die Rechnung umfasst. Sind Hilfsantriebe dabei? Ist die Warmwasserbereitung enthalten? Welche Messpunkte werden verwendet? Ohne eine vergleichbare Grenze können zwei Kennzahlen ähnlich aussehen und trotzdem unterschiedliche Dinge beschreiben.
Eine Leistungszahl wie der COP gilt für definierte Betriebsbedingungen. Die Jahresarbeitszahl beschreibt dagegen das Verhältnis über einen längeren tatsächlichen Betrieb. Ein guter Prüfstandswert lässt sich nicht unverändert auf jedes Gebäude übertragen.
Das Haus gehört zur Anlage
Eine niedrige benötigte Heizwassertemperatur kann günstige Bedingungen schaffen. Ob Heizflächen, Gebäude und Regelung zusammenpassen, muss am konkreten Objekt geprüft werden. „Nur mit Fußbodenheizung“ ist als pauschale Behauptung zu grob; ebenso grob ist das Versprechen, jede Anlage ließe sich ohne weitere Prüfung ersetzen.
Für eine erste Vorbereitung hilft der Rundgang vor dem Heizstart: Welche Räume sind auffällig kalt, welche Heizflächen zugestellt, welche Probleme schon länger bekannt? Das ersetzt keine Planung, liefert aber bessere Fragen als eine bloße Suche nach der größten Geräteleistung.
Bei einer größeren Investition gehören die Installation, mögliche Anpassungen und laufende Ausgaben in die Rechnung. Den gesamten Geldpuffer mit einer optimistischen Sparprognose zu verplanen, lässt wenig Raum für Abweichungen. Förderbedingungen oder Tarife müssen zum Entscheidungszeitpunkt geprüft werden; dieser Text verspricht keine Förderung.
Die Wärmepumpe zeigt außerdem, warum ein Blick auf das ganze System hilfreich ist. Ähnlich verhält es sich mit digitalen Diensten und ihrer Infrastruktur: Die sichtbare Oberfläche erklärt noch nicht, wo Energie eingesetzt wird.
Eine sinnvolle Entscheidung beginnt deshalb mit einer brauchbaren Wärmebedarfs- und Anlagenplanung. Erst danach werden Modellnamen, Angebote und Wirtschaftlichkeitsrechnungen wirklich vergleichbar.
Hinweis & Bildungszweck
Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und stellt keine individuelle fachliche, rechtliche, finanzielle oder medizinische Beratung oder Empfehlung dar. WK Energie steht in keiner geschäftlichen oder werblichen Verbindung zu den im Text genannten Institutionen, Herstellern oder Fallbeispielen.
Wärme wird verschoben.
Hypothetisches Jahresbeispiel innerhalb derselben Systemgrenze. Jahresarbeitszahl: 9.000 ÷ 3.000 = 3. Keine Leistungszusage für eine konkrete Anlage.

